"Auf mehr Bürokratie kann man eigentlich nur mit Hilfe guter
Software
reagieren" - ein positiver DMP-Anwenderbericht
Herbst 2004. Die Disease-Management-Programme (DMP) sind
nicht nur aus gesundheitspolitischen Gründen umstritten - die
Vertragsärzte haben bei der Erfassung der Patientendaten für die
Dokumentationen auch kräftig Lehrgeld gezahlt. Vor allem die
Fehler in den Dokumentationsbögen und das Chaos in einigen
Datenstellen haben zu Beginn kräftig Sand ins Praxisgetriebe
gestreut. Mittlerweile laufen DMP an vielen Stellen ohne große
Reibungsverluste - auch dank der Software-Hilfen. Ein
Erfahrungsbericht eines Allgemeinarztes aus Frankfurt.
Von Dr. Reiner Goltermann
Herbst 2003, Montag früh in der Praxis: Post aus Idstein von der
DMP-Datenstelle: "Leider sind einige wichtige Angaben in den
Dokumentationsdaten nicht eindeutig. Bitte ergänzen Sie die
Daten, und senden Sie uns die korrigierten Dokumentationsbögen
mit neuer Unterschrift sowie Patientenunterschrift an uns
zurück." Und: "Wir möchten darauf hinweisen, daß nur
vollständige und plausible Dokumentationsbögen vergütet werden."
"Bitte erstellen Sie in 23 Fällen eine neue
Erstdokumentation!"
Fax vom 4.11.2003: DMP-Reklamationsliste: 7 Fälle: "Frist für
Unterschrift und Disketten-Versand bis 10.11.2003. Nacherfaßte
Bögen werden nicht ausgedruckt und können nicht per E-Mail
verschickt werden. Müssen auf Diskette geschickt werden…" und:
"Wie im Schreiben der Verbände der Krankenkassen festgestellt,
bitten wir Sie für die nachfolgend aufgeführten 23
Dokumentationen eine neue Erstdokumentation zu erstellen."
Wer kennt nicht diese Meldungen? Alarmstufe rot! Eine Helferin
zieht sich aus der Sprechstunden-Tätigkeit zurück und ruft die
aufgrund der hohen Fehlerquote stark frequentierte Hotline in
Idstein an.
Die teilweise kryptisch formulierten Fehlermeldungen der
KBV-Prüfsoftware für elektronische Dokumentation sind selbst mit
abgeschlossenem Hochschulstudium nicht zu verstehen. Zwei Ärzte
und die Helferin rätseln über den Formulierungen: "XML-Fehler
(F/57) ist kein gültiger 'Datumsangabe' Wert.
Element '/levelone/clinical_document_header/patient/local_header/>>
sciphoxssu/GesetzlicheKrankenversicherung/BisDatumderGueltigkeit'."
Besonders gut gefiel mir die folgende Meldung: "XML-Fehler
(F/51)
Der Wert gehört nicht zu dem zulässigen Wertebereich '[00, 01,
02, 03, 04, 05, 06, 07, 08, 09]'...".
In unserem Wartezimmer wird es derweil unruhig. Der Stau an der
Anmeldung wird länger. Frau M. von der Hotline ist sehr bemüht,
erklärt aber, sie könne die KBV-Meldung auch nicht sofort
nachvollziehen. Sie werde sich aber darum kümmern und uns
zurückrufen.
So wurde die vom Hersteller MDMS - DMP-Kooperationspartner der
CompuGROUP - im Herbst 2003 angepriesene Software DMPAssist, die
eigentlich zur Hilfe gedacht war, nun zur eigentlichen "Disease",
und deren "Management" brachte den Praxisablauf mehr als einmal
zum Erliegen.
Die nachfolgenden Ereignisse zeigen, daß Software-Hersteller
lernfähig sind: Im Frühjahr 2004 kam es - auch dank
erfolgreicher Interventionen des Hausärzteverbandes - zu einer
kompletten Übernahme der Software-Entwicklung von DMP-Assist und
des Unternehmens MDMS durch die CompuGROUP. Die Mißstände wurden
schnell abgestellt. Eine Neuprogrammierung der Software mit
Einführung der neuen Formulare im Juli 2004 machte diese sicher
netzwerkfähig und sehr verläßlich. Eine Anbindung an den
Praxistimer, ein universelles Terminsystem, erleichtert uns
heute die Terminvergabe für DMP-Patienten kolossal.
Die Wünsche von Anwendern wurden schnell realisiert
80 Prozent unserer Wünsche zur vereinfachten Bedienung und
verbesserten Darstellung wurden binnen vier Wochen realisiert.
Wir haben nun ein völlig neues Programm (Version 3.04) zur
Verfügung, das eine gut funktionierende Datenübergabe zu den
Programmen Albis, David, M1, Arcos, Dorsymed, Onmed, Sysmed,
MEDISTAR und TurboMed bietet. Beim Einsatz von M1 profitiert
DMP-Assist von der Nutzung einer gemeinsamen Oracle-Datenbank
mit dem Praxistimer-Terminsystem, so daß komplizierte
Datenübergaben zwischen den Systemen entfallen. Ein einmal
vergebener Termin steht automatisch auch im Terminsystem und in
der Praxis-EDV M1.
Software soll helfen, die Arbeit zu verringern und die Abläufe
zu straffen. Mit der neuen Software füllen wir wieder gern und
ganz rasch DMP-Bögen aus, seit Oktober nun auch die "KHK-Bögen".
Als nächstes folgt Brustkrebs. Die Menüführung ist für alle
DMPBereiche gleich.
Alle Bögen verlassen die Praxis auf Plausibilität geprüft und
daher fehlerfrei. Die automatische Plausibilitätsprüfung zeigt
Fehler farbig hinterlegt an. Die Erreichbarkeit der Hotline
wurde dramatisch verbessert durch Integration in die normale
Hotline der Praxisverwaltungssysteme. Es gibt keine Staus mehr
am Telefon oder wegen unverständlicher Fehlermeldungen, die drei
Monate später zurückkommen.
Neue patientenbezogene Werte (HbA1c, Gewicht, Cholesterin, LDL -
und neuerdings auch Kreatinin) werden von der Praxis-EDV
übergeben. Sämtliche Daten werden in einer Datenbank
gespeichert.
Eine Wiedervorstellungsliste kann für den aktuellen Monat alle
Fälle selektieren, die für diesen Monat vorgemerkt wurden. Sie
zeigt mögliche Bestellfristen unter den drei Gesichtspunkten:
frühester Termin zwei Monate nach vorangegangener Dokumentation,
spätester Termin vier Monate nach vorangegangener Dokumentation
und nächster Termin im nächsten (übernächsten) Quartal.
Eine Übersichtsliste in der Software zeigt den Bearbeitungsstand
der einzelnen Dokumentationen. Wurde der Bogen von Patient M.
schon versandt? Ist die XML-Datei fehlerfrei? Für Rückfragen
kann hier auch nach DMP-Fallnummer, Unterschriftsdatum oder
völlig frei selektiert werden.
Bevor wir nun die Daten verschlüsselt per E-Mail versenden,
werden noch nicht versandte Datensätze hinsichtlich der
Einhaltung des XML-Formats und der Inhalte (Plausibilität) durch
das KBV-Prüfmodul geprüft. Neu ist auch ein Versandarchiv, in
dem alle versandten Dateien der einzelnen Praxis unverschlüsselt
gespeichert werden. Auch das macht Rückfragen leicht
beantwortbar.
Auch das Wiederholen von Sendungen per verschlüsselter Mail oder
Diskette ist kein Problem mehr.
Bürokratiebedingte Wartezeiten kommen nicht
mehr vor
Die DMP-Software ist heute ein unverzichtbares Instrument
für uns. Bürokratie kann man heutzutage eigentlich nur noch mit
guter Software begegnen. Die Arbeit mit dem neuen Modul geht
fast wie nebenbei rasch und problemlos. Unsere Patienten sind
mit dem Ausdruck ihrer Werte, den grafischen Darstellungen im
Zeitverlauf und unserer neuen Schnelligkeit ganz begeistert. Sie
sind wieder zufrieden und beklagen keine bürokratiebedingten
Wartezeiten mehr. Und die Arzthelferinnen haben wieder Zeit,
sich um die Patienten zu kümmern.
Dr. Reiner Goltermann ist als Facharzt für Allgemeinmedizin
in Frankfurt am Main niedergelassen.